Von Tempeln und Nymphen
Ich musste vor der Überfahrt nach Tunis noch dringend etwas Aufbauarbeit für den Kulturmenschen leisten. Seit sechs Wochen halte ich mich bereits in unmittelbarer Nähe von historisch bemerkenswerten Orten auf, kümmere mich aber wenig darum. So geht das nicht weiter.
Also bin ich heute morgen ganz früh aufgestanden und habe mich vom Castello verabschiedet, um nach Segesta aufzubrechen.
Foto vom Castello um 5 Uhr Morgens:
In Agrigent hat mich mein Navi jetzt einmal positiv überrascht. Wie gewohnt hat es die Strecke mal wieder eigenmächtig geändert. Dieses Mal (und vielleicht ja auch zuvor?) hat es aber eine gute Entscheidung getroffen. Ich muss es deshalb hier einmal ausdrücklich loben. Es scheint mich und meine Vorlieben inzwischen wirklich zu kennen. Künstliche Intelligenz? Wahrscheinlich. Jedenfalls hat es mich von der Hauptstrecke weg und listig durch den antiken griechischen Tempelbezirk von Agrigent geführt. Sicherlich, um mich zu dieser frühen Stunde in diese eigentümliche Stimmung zu versetzen, die auf den Fotos kaum wiederzugeben ist.
Beim Aufgang der Sonne, über Felder und Täler
Meine Botschaft von Habsucht, Zerstörung und Hass
Landschaft und Bauern vergangener Zeiten
Zu verkünden die Zukunft, mit dröhnendem Zorn
In Schrecken und Furcht zu versetzen
Gleichwie Phobos und Daimos
(Morgenschrei des Kampfwagens Sprinter 316 CDI)
Und heute ist Sonntag, da gehe ich in den Tempel. Und zwar in den in Segesta.
Dort steht seit über 2.500 Jahren ein griechischer Tempel in rein dorischem Stil. Der Tempel ist fast vollständig erhalten. Damals waren gute Dachdecker wohl auch schon schwer zu bekommen. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Arbeiten am Tempel zum Erliegen kamen, als die Karthager im Jahre 406 vor Christi Geburt Segesta eroberten und kein Interesse an exakter Architektur mitbrachten. Damit hatten die Kriegsflüchtlinge aus Troja endgültig die Schnauze voll und verständlicherweise keine Lust mehr auf schmucke Tempel, die für die Ewigkeit Bestand haben sollten. Nun ist diese Bauruine trotzdem weitere 2500 Jahre stehen geblieben.
Und weil ich so früh aufgebrochen bin, war ich auch ganz alleine da.
Hier ein typisches dorisches Kapitell:
Diese seitlichen Klötze an den Stufen und an den Säulenbasen dienten dem Transport der Steinblöcke und wurden normalerweise später entfernt. Das ist der Beweis, dass die Arbeiten plötzlich aufgehört haben.
Sehr schön zu sehen ist auch die leichte horizontale Krümmung der Stufenlinie. Die Säulen sind nach oben hin ja auch gewölbt und überhaupt gibt es an einem dorischen Tempel wohl nicht eine einzige gerade Kante. Merkt man aber nicht.
Gar nicht weit vom Tempel hat sich die Nymphe Aigeste entsprechend der Familientradition in eine heiße Quelle verwandelt. Zuvor war sie mit ihrem Papa von Troja hierher geflüchtet, der von Haus aus ein Flussgott war. Seither bewacht sie in einem romantischen Wäldchen diese schöne Quelle, also sich selbst.
Meine Griechischlehrer kann ich mit diesen Brocken Halbwissen leider nicht mehr beeindrucken, habe sie alle überlebt. Wahrscheinlich würden sie es mir sowieso nicht glauben, hatten mich ja völlig aufgegeben.
Leider konnte ich meinen greisen Körper dort nicht zu den Nymphen in die Quelle legen, damit der dann wieder jung wird, wie man sagt. Weil es ja Sonntag war und fast alle Alten Siziliens den gleichen Wunsch nach ewiger Jugend hatten wie ich, bekam ich leider keinen Parkplatz mehr. Wer zu spät kommt bleibt alt.
Also musste ich weiter fahren in Richtung Fährhafen in Palermo, und habe an der Isola delle Femmine Halt gemacht, einer Art Alcatraz für schlimme Frauen. Also von früher. Heute gibt es ja bekanntermaßen keine schlimmen Frauen mehr. Stattdessen wohnen nun auf der kleinen Insel nur noch Gelbgrüne Zornnattern. Die sind ähnlich schlimm.
Morgen geht es nach Palermo zur Fähre und danach werdet ihr erst wieder etwas zu lesen bekommen, nachdem ich eine tunesische SIM-Karte gefunden habe, mit der ich ins Internet komme.
Also bin ich heute morgen ganz früh aufgestanden und habe mich vom Castello verabschiedet, um nach Segesta aufzubrechen.
Foto vom Castello um 5 Uhr Morgens:
In Agrigent hat mich mein Navi jetzt einmal positiv überrascht. Wie gewohnt hat es die Strecke mal wieder eigenmächtig geändert. Dieses Mal (und vielleicht ja auch zuvor?) hat es aber eine gute Entscheidung getroffen. Ich muss es deshalb hier einmal ausdrücklich loben. Es scheint mich und meine Vorlieben inzwischen wirklich zu kennen. Künstliche Intelligenz? Wahrscheinlich. Jedenfalls hat es mich von der Hauptstrecke weg und listig durch den antiken griechischen Tempelbezirk von Agrigent geführt. Sicherlich, um mich zu dieser frühen Stunde in diese eigentümliche Stimmung zu versetzen, die auf den Fotos kaum wiederzugeben ist.
Beim Aufgang der Sonne, über Felder und Täler
Meine Botschaft von Habsucht, Zerstörung und Hass
Landschaft und Bauern vergangener Zeiten
Zu verkünden die Zukunft, mit dröhnendem Zorn
In Schrecken und Furcht zu versetzen
Gleichwie Phobos und Daimos
(Morgenschrei des Kampfwagens Sprinter 316 CDI)
Und heute ist Sonntag, da gehe ich in den Tempel. Und zwar in den in Segesta.
Dort steht seit über 2.500 Jahren ein griechischer Tempel in rein dorischem Stil. Der Tempel ist fast vollständig erhalten. Damals waren gute Dachdecker wohl auch schon schwer zu bekommen. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Arbeiten am Tempel zum Erliegen kamen, als die Karthager im Jahre 406 vor Christi Geburt Segesta eroberten und kein Interesse an exakter Architektur mitbrachten. Damit hatten die Kriegsflüchtlinge aus Troja endgültig die Schnauze voll und verständlicherweise keine Lust mehr auf schmucke Tempel, die für die Ewigkeit Bestand haben sollten. Nun ist diese Bauruine trotzdem weitere 2500 Jahre stehen geblieben.
Und weil ich so früh aufgebrochen bin, war ich auch ganz alleine da.
Diese seitlichen Klötze an den Stufen und an den Säulenbasen dienten dem Transport der Steinblöcke und wurden normalerweise später entfernt. Das ist der Beweis, dass die Arbeiten plötzlich aufgehört haben.
Sehr schön zu sehen ist auch die leichte horizontale Krümmung der Stufenlinie. Die Säulen sind nach oben hin ja auch gewölbt und überhaupt gibt es an einem dorischen Tempel wohl nicht eine einzige gerade Kante. Merkt man aber nicht.
Es gibt auch ein seltenes Selfie.
Dabei ist die Kamera fast in diese Schlucht gestürzt.
Meine Griechischlehrer kann ich mit diesen Brocken Halbwissen leider nicht mehr beeindrucken, habe sie alle überlebt. Wahrscheinlich würden sie es mir sowieso nicht glauben, hatten mich ja völlig aufgegeben.
Leider konnte ich meinen greisen Körper dort nicht zu den Nymphen in die Quelle legen, damit der dann wieder jung wird, wie man sagt. Weil es ja Sonntag war und fast alle Alten Siziliens den gleichen Wunsch nach ewiger Jugend hatten wie ich, bekam ich leider keinen Parkplatz mehr. Wer zu spät kommt bleibt alt.
Also musste ich weiter fahren in Richtung Fährhafen in Palermo, und habe an der Isola delle Femmine Halt gemacht, einer Art Alcatraz für schlimme Frauen. Also von früher. Heute gibt es ja bekanntermaßen keine schlimmen Frauen mehr. Stattdessen wohnen nun auf der kleinen Insel nur noch Gelbgrüne Zornnattern. Die sind ähnlich schlimm.
Morgen geht es nach Palermo zur Fähre und danach werdet ihr erst wieder etwas zu lesen bekommen, nachdem ich eine tunesische SIM-Karte gefunden habe, mit der ich ins Internet komme.













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