Der Sprinter ist ein Boot
Mit 3 Stunden Verspätung quält sich die grimaldige Catania ins Hafenbecken und nur wenige Stunden später die Karawane an Bord.
Italienisches Organisationstalent hin, und tunesische Rückspiegellosigkeit her, Die Grimaldis schaffen es irgendwie, beide Kulturen in ein Boot zu setzen.
Schon lange vorher wurde unsere Karawane von italienischen Treibern mit viel Geschrei und Peitschenknall in eine lange Schlange getrieben. Die Seitenstraße neben dem Kai ist viel zu eng, so dass niemand überholen kann, einzelne schaffen es aber doch.
Alle drängeln sich gleichzeitig nach vorn. Dazwischen werden junge Polizistinnen von ihren Drogenhunden hin und her gerissen.
Andere schicke Polizisten mit Sonnenbrillen (es ist Nacht!) laufen herum und inspizieren mit Kennerblick alle Autos.
Wer sind alle diese Leute mit ihren bis zum drohenden Achsbruch vollgeladenen Fahrzeuge? Auswanderer? Antizyklische Flüchtlinge?
Die Kühlschränke, Waschmaschinen und Küchenzeilen sind dabei hochprofessionell auf den Autodächern befestigt, wie ich später feststellen konnte. Oft sind dies Europaletten, die mit Ducktape durch die Seitenfenster festgeklebt sind. Ich habe leider kein Foto davon.
In diesem Fall ist es ein Bettgestell oder Teil einer Liege:
Das aber zum Glück ordentlich befestigt ist.
Mein Sprinter findet viele Bewunderer unter den Polizisten, die alle herein und inspizieren wollen. Ob ich mal Licht machen könne? Ich verkneife mir den Hinweis auf die Sonnenbrillen. Man schaut sich alles an, fragt was dies oder jenes denn sei. Besondere Aufmerksamkeit erregt mein kleiner Heizlüfter und die Blumentöpfe mit Chilis auf dem Armaturenbrett. Offensichtlich ist denen kalt. Ich biete Chilis an. Man lehnt dankend ab und ich muss zwischendurch immer mal wieder ein Stück vorwärts fahren. Ob der Diesel reichen wird? Endlich bin ich im Bauch.
Boshaft schreiende Einweiser zwingen uns Reisende dazu, unsere Autos eng an eng und Stoßstange an Stoßstange zu parken, wobei die Dame vor mir ihre Handbremse wohl gar nicht anziehen kann.
Das sieht dann so aus:
Der hinter mir musste an meinen Haken:
Bei der Ankunft ist mein schönes Nummernschild ganz zerbeult.
Aus den Autos auszusteigen ist für die Fetten doof, aber so bekommt mein Sprinter zumindest saubere Flanken.
Poltrone steht auf meinem Beförderungsschein und heißt wohl so viel wie bequemer Sessel mit Armlehnen. Ich bin müde und freue mich sehr auf ein bequemes Fauteuil. Der Sala de Poltrone ist nach langem Suchen gefunden und voll mit Leuten, die zum Teil sogar mehrere Sessel belegen. Mein Sitz soll die Nummer P040 haben, aber an den Sesseln stehen gar keine Nummern. Da ist ein Steward, der die Sitze alle auswendig kennt und der findet ihn für mich. Ich habe es besonders blöd erwischt. Die Reihe vor meiner wird von einem alten Mann bewohnt, der sich die Rückenlehnen alle nach hinten gelegt und zu einem King-Size Bett umgebaut hat. In meiner Reihe wohnt sein Enkel, ein 12-jähriger Jüngling mit dicken Brillengläsern, aber nur Queen-Size. Ich werde irgendwie auf die Besucherritze gezwängt. Der Brillenenkel stinkt gewaltig aus seinem Rachen und grinst mich an. Er sagt viele arabische Wörter mit Ahs und Chs darin. Ich mag nicht hinriechen. Die Besitzverhältnisse im Sala de Poltrone werden nun deutlich. Es hausen hier all diejenigen enttäuschten Karawanenmitglieder, deren Koje bereits vom gemeinen Decksvolk in Besitz genommen wurden, weil die ja kein Auto zu parken hatten und also schneller oben waren. Ich komme als Allerletzter an, weil ich noch ewig gesucht habe. So habe ich das Nachsehen und das Pech der Besucherritze. Schon will ich mich damit abfinden, als Streit zwischen den Betrogenen und dem Steward losbricht. Die Grimaldi-Line wird beschuldigt, nichts für sie zu tun und es zu erlauben, dass ihre Kabinenbetten vom gemeinen Volk belegt wurden. Der Geschäftsführer lässt sich heute aber nur von einem Steward vertreten, der zwar alle Sitznummern im Kopf hat, sonst aber nichts dazu sagen kann und dem das alles völlig egal ist und wieder geht. Nun wird es persönlich. Eine Italienerin mit eindeutig asiatischer Genetik und einer großen Warze am Kinn hebt ihre Stimme und ich kann einige ihrer anklagenden Wort verstehen, die sich offenbar an die anwesenden Nordafrikaner richten. Es werden Worte wie Immigrati und Negri gebraucht. Mit ständigen Blicken in meine Richtung sagt sie dann: L'Europa per gli Europei oder so ähnlich und da bekommt sie heftiges Gegenfeuer von einer Tunesierin. Die Stimmung kippt um, ich den Opa nach vorne und verlasse freundlich lächelnd den Sala der Betrogenen, um den Weg zurück in den Bauch der Catania zu suchen.
Die geschlossenen Garagen sind ja gar nicht abgesperrt und verboten, wie angekündigt. Also erlaubt, und schnell habe ich mich bis zu meinem Sprinter gezwängt, der brav vorne im Bugbereich steht und aufpasst, dass der Wagen der Dame ohne Handbremse nicht nach hinten rollt. Der wagen inter ihm ist ihm egal, weil der hält sich mit seiner Stoßstange ja schon selber an der Anhängerkupplung fest. Den werde ich später dann einfach mit heraus ziehen. Der Odem des Enkels und das Geschrei der Völkerschlacht weit oben dringen nicht bis hierher und ich schlafe schnell ein.
Nach ca. dreistündiger Fahrt schwenkt die Catania auf einen südlichen Kurs und fängt an gemütlich zu schaukeln. Ich genieße meine Unterbringung in der besten Kabine der Catania und fühle ihre Bewegungen. Ganz offensichtlich läuft sie "am Wind", nicht hart, und sie kämpft nicht, rollt kaum und nimmt die von schräg links kommenden Wogen auf die linke Schulter. Dann vergesse ich die Catania und der Sprinter verwandelt sich in ein Boot, in dessen Rumpf ich liege und zwischen verwirrenden Träumen hin und wieder wach werde.
Irgendwann habe ich genug geschlafen und bin hungrig geworden. So mache ich mich über die Brote und harten Eier her, die ich für die Reise vorbereitet hatte und koche mir Kaffee. Dann schreibe ich das hier in mein Heft.
Ich habe schon immer gerne auf Booten unter Deck gekocht. Heute ist der Sprinter mein Boot und ich fühle mich sauwohl.
Irgendwann muss ich aber doch an Deck, um die Einreiseformalitäten auszufüllen.
Beim Tanz zwischen den Autos werde ich dann aber von einem Trupp der Crew erwischt. Was denn ich hier mache? Erst einmal ein dummes Gesicht. Wo ich denn jetzt da herkäme? Noch dümmeres Gesicht, mit Schulterzucken. Der eine sagt: Der versteht nichts, ist ein Tourist, hat sicher im Auto geschlafen. Das scheine ich zu verstehen und lache fröhlich, genau, im Auto geschlafen habe ich. Aber das sei doch verboten und die Garage verschlossen. Nein, ist sie nicht, sage ich und entschlüpfe den Bademeistern durch die nicht verschlossene Tür. Ätsch.
Mir ist klar, dass ich mir die Formulare selbst besorgen muss. An der Information bekomme ich die Information, dass die Information zur Verteilung der Formblätter erst später gegeben würde. Ich solle also in zwei Stunden zurück kommen. Das macht mir gleich Freude und ich bleibe einfach mal da stehen. Der Informateur wiederholt die Infomation und ich bedeute ihm, dass ich das verstanden habe und gerne hier warte, ob das ok sei? Seine Augen rollen nach oben und er holt aus einer Schublade hinter sich zwei Päckchen Formulare, gibt mir davon zwei Blätter zum Ausfüllen. Eins für mich und eins für den Wagen. Dann winkt er mich fort. Tue ich aber nicht, weil hier stehe ich ja schon ganz gut. Das bekommen die Anderen mit, die da überall auf dem Boden herum liegen und wollen jetzt auch von den Blättern. Der Informateur schaut mich zornig an. Da werden zwei Stühle frei und ich nehme gleich einen und fange an auszufüllen. Reisepass, Fahrzeugschein, alles dabei. Der zweite Stuhl ist auch bald besetzt, offenbar vom zweiten Schriftkundigen an Bord und somit das Schreibbüro eröffnet. Eine kleine Schlange bildet sich. Mein Kollege spricht arabisch und ich französisch, und so sind wir bald das Zentrum des Raumes vor dem Informationskasten. ein kurzer Blick auf die Mine meines durchsichtigen Kulis stimmt mich zuversichtlich uns los geht's. Mein Kollege schafft dabei wesentlich schneller als ich.
Wir haben es geschafft:
Dabei muss ich mich an eine fast gleiche Situation erinnern, die mir 1998 auf einem Flug von Addis Abbeba nach Karachi passiert ist. Nur waren es damals pakistanische Taxifahrer, die in Dhubai zugestiegen waren.
Zur Strafe nimmt mir ein Kapitän den Stuhl weg und stellt ihn in sein Büro. Ein Tunesier, der auf dem Boden liegt, kommentiert das mit: La Forza Italia!
Und dann mache ich noch dieses Foto:
Das bekommt eine Offizielle hinter mir am Schalter mit und ruft gleich alle anderen Kapitäne herbei. Sie verlangt von mir, dass ich alle Fotos sofort von der Kamera lösche. Das seie alles verboten und da wären ja auch überall Schilder. Wo die denn wären, frage ich. Na überall. Sie wolle sich davon überzeugen und mir dabei zusehen, dass ich sie auch alle lösche. Ich versuche noch einzuwenden, dass doch alle hier non-stop Fotos mit ihren Handys machen und wo denn da der Unterschied zu meiner Kamera sei. Da droht sie mir mit der Security und der Polizei, die mich festnehmen würde. Ok, denke ich mir, du blöde Wanze, sollst deinen dummen Willen haben und zeige ihr, wie ich alle Fotos lösche, die ich später mit wenig Aufwand wieder hergestellt habe. Ich denke mal, den Grimaldis ist der Zustand an Bord einfach zu peinlich und dass ich das fotografiert habe. Keiner hat einen ordentlichen Sitzplatz, die zwei Toiletten sind schon lange übergelaufen, so dass die Leute einfach auf den Boden davor pinkeln, Frauen wohl auch, denn aus deren Klo stinkt es genauso heftig. Bald stinkt es auch auf den Gängen. Essen gibt es keins, außer Zigarettenstangen und Kaffee. Die Hälfte der Passagiere hat mindestens einmal gekotzt und keiner macht's sauber. Putzleute gibt es nicht und die Crew hängt draußen an der Reling und raucht oder macht Jagt auf Touristen auf dem Parkdeck.
Schon lange vorher wurde unsere Karawane von italienischen Treibern mit viel Geschrei und Peitschenknall in eine lange Schlange getrieben. Die Seitenstraße neben dem Kai ist viel zu eng, so dass niemand überholen kann, einzelne schaffen es aber doch.
Alle drängeln sich gleichzeitig nach vorn. Dazwischen werden junge Polizistinnen von ihren Drogenhunden hin und her gerissen.
Andere schicke Polizisten mit Sonnenbrillen (es ist Nacht!) laufen herum und inspizieren mit Kennerblick alle Autos.
Wer sind alle diese Leute mit ihren bis zum drohenden Achsbruch vollgeladenen Fahrzeuge? Auswanderer? Antizyklische Flüchtlinge?
Die Kühlschränke, Waschmaschinen und Küchenzeilen sind dabei hochprofessionell auf den Autodächern befestigt, wie ich später feststellen konnte. Oft sind dies Europaletten, die mit Ducktape durch die Seitenfenster festgeklebt sind. Ich habe leider kein Foto davon.
In diesem Fall ist es ein Bettgestell oder Teil einer Liege:
Das aber zum Glück ordentlich befestigt ist.
Mein Sprinter findet viele Bewunderer unter den Polizisten, die alle herein und inspizieren wollen. Ob ich mal Licht machen könne? Ich verkneife mir den Hinweis auf die Sonnenbrillen. Man schaut sich alles an, fragt was dies oder jenes denn sei. Besondere Aufmerksamkeit erregt mein kleiner Heizlüfter und die Blumentöpfe mit Chilis auf dem Armaturenbrett. Offensichtlich ist denen kalt. Ich biete Chilis an. Man lehnt dankend ab und ich muss zwischendurch immer mal wieder ein Stück vorwärts fahren. Ob der Diesel reichen wird? Endlich bin ich im Bauch.
Boshaft schreiende Einweiser zwingen uns Reisende dazu, unsere Autos eng an eng und Stoßstange an Stoßstange zu parken, wobei die Dame vor mir ihre Handbremse wohl gar nicht anziehen kann.
Das sieht dann so aus:
Der hinter mir musste an meinen Haken:
Bei der Ankunft ist mein schönes Nummernschild ganz zerbeult.
Aus den Autos auszusteigen ist für die Fetten doof, aber so bekommt mein Sprinter zumindest saubere Flanken.
Poltrone steht auf meinem Beförderungsschein und heißt wohl so viel wie bequemer Sessel mit Armlehnen. Ich bin müde und freue mich sehr auf ein bequemes Fauteuil. Der Sala de Poltrone ist nach langem Suchen gefunden und voll mit Leuten, die zum Teil sogar mehrere Sessel belegen. Mein Sitz soll die Nummer P040 haben, aber an den Sesseln stehen gar keine Nummern. Da ist ein Steward, der die Sitze alle auswendig kennt und der findet ihn für mich. Ich habe es besonders blöd erwischt. Die Reihe vor meiner wird von einem alten Mann bewohnt, der sich die Rückenlehnen alle nach hinten gelegt und zu einem King-Size Bett umgebaut hat. In meiner Reihe wohnt sein Enkel, ein 12-jähriger Jüngling mit dicken Brillengläsern, aber nur Queen-Size. Ich werde irgendwie auf die Besucherritze gezwängt. Der Brillenenkel stinkt gewaltig aus seinem Rachen und grinst mich an. Er sagt viele arabische Wörter mit Ahs und Chs darin. Ich mag nicht hinriechen. Die Besitzverhältnisse im Sala de Poltrone werden nun deutlich. Es hausen hier all diejenigen enttäuschten Karawanenmitglieder, deren Koje bereits vom gemeinen Decksvolk in Besitz genommen wurden, weil die ja kein Auto zu parken hatten und also schneller oben waren. Ich komme als Allerletzter an, weil ich noch ewig gesucht habe. So habe ich das Nachsehen und das Pech der Besucherritze. Schon will ich mich damit abfinden, als Streit zwischen den Betrogenen und dem Steward losbricht. Die Grimaldi-Line wird beschuldigt, nichts für sie zu tun und es zu erlauben, dass ihre Kabinenbetten vom gemeinen Volk belegt wurden. Der Geschäftsführer lässt sich heute aber nur von einem Steward vertreten, der zwar alle Sitznummern im Kopf hat, sonst aber nichts dazu sagen kann und dem das alles völlig egal ist und wieder geht. Nun wird es persönlich. Eine Italienerin mit eindeutig asiatischer Genetik und einer großen Warze am Kinn hebt ihre Stimme und ich kann einige ihrer anklagenden Wort verstehen, die sich offenbar an die anwesenden Nordafrikaner richten. Es werden Worte wie Immigrati und Negri gebraucht. Mit ständigen Blicken in meine Richtung sagt sie dann: L'Europa per gli Europei oder so ähnlich und da bekommt sie heftiges Gegenfeuer von einer Tunesierin. Die Stimmung kippt um, ich den Opa nach vorne und verlasse freundlich lächelnd den Sala der Betrogenen, um den Weg zurück in den Bauch der Catania zu suchen.
Die geschlossenen Garagen sind ja gar nicht abgesperrt und verboten, wie angekündigt. Also erlaubt, und schnell habe ich mich bis zu meinem Sprinter gezwängt, der brav vorne im Bugbereich steht und aufpasst, dass der Wagen der Dame ohne Handbremse nicht nach hinten rollt. Der wagen inter ihm ist ihm egal, weil der hält sich mit seiner Stoßstange ja schon selber an der Anhängerkupplung fest. Den werde ich später dann einfach mit heraus ziehen. Der Odem des Enkels und das Geschrei der Völkerschlacht weit oben dringen nicht bis hierher und ich schlafe schnell ein.
Nach ca. dreistündiger Fahrt schwenkt die Catania auf einen südlichen Kurs und fängt an gemütlich zu schaukeln. Ich genieße meine Unterbringung in der besten Kabine der Catania und fühle ihre Bewegungen. Ganz offensichtlich läuft sie "am Wind", nicht hart, und sie kämpft nicht, rollt kaum und nimmt die von schräg links kommenden Wogen auf die linke Schulter. Dann vergesse ich die Catania und der Sprinter verwandelt sich in ein Boot, in dessen Rumpf ich liege und zwischen verwirrenden Träumen hin und wieder wach werde.
Irgendwann habe ich genug geschlafen und bin hungrig geworden. So mache ich mich über die Brote und harten Eier her, die ich für die Reise vorbereitet hatte und koche mir Kaffee. Dann schreibe ich das hier in mein Heft.
Ich habe schon immer gerne auf Booten unter Deck gekocht. Heute ist der Sprinter mein Boot und ich fühle mich sauwohl.
Irgendwann muss ich aber doch an Deck, um die Einreiseformalitäten auszufüllen.
Beim Tanz zwischen den Autos werde ich dann aber von einem Trupp der Crew erwischt. Was denn ich hier mache? Erst einmal ein dummes Gesicht. Wo ich denn jetzt da herkäme? Noch dümmeres Gesicht, mit Schulterzucken. Der eine sagt: Der versteht nichts, ist ein Tourist, hat sicher im Auto geschlafen. Das scheine ich zu verstehen und lache fröhlich, genau, im Auto geschlafen habe ich. Aber das sei doch verboten und die Garage verschlossen. Nein, ist sie nicht, sage ich und entschlüpfe den Bademeistern durch die nicht verschlossene Tür. Ätsch.
Mir ist klar, dass ich mir die Formulare selbst besorgen muss. An der Information bekomme ich die Information, dass die Information zur Verteilung der Formblätter erst später gegeben würde. Ich solle also in zwei Stunden zurück kommen. Das macht mir gleich Freude und ich bleibe einfach mal da stehen. Der Informateur wiederholt die Infomation und ich bedeute ihm, dass ich das verstanden habe und gerne hier warte, ob das ok sei? Seine Augen rollen nach oben und er holt aus einer Schublade hinter sich zwei Päckchen Formulare, gibt mir davon zwei Blätter zum Ausfüllen. Eins für mich und eins für den Wagen. Dann winkt er mich fort. Tue ich aber nicht, weil hier stehe ich ja schon ganz gut. Das bekommen die Anderen mit, die da überall auf dem Boden herum liegen und wollen jetzt auch von den Blättern. Der Informateur schaut mich zornig an. Da werden zwei Stühle frei und ich nehme gleich einen und fange an auszufüllen. Reisepass, Fahrzeugschein, alles dabei. Der zweite Stuhl ist auch bald besetzt, offenbar vom zweiten Schriftkundigen an Bord und somit das Schreibbüro eröffnet. Eine kleine Schlange bildet sich. Mein Kollege spricht arabisch und ich französisch, und so sind wir bald das Zentrum des Raumes vor dem Informationskasten. ein kurzer Blick auf die Mine meines durchsichtigen Kulis stimmt mich zuversichtlich uns los geht's. Mein Kollege schafft dabei wesentlich schneller als ich.
Wir haben es geschafft:
Dabei muss ich mich an eine fast gleiche Situation erinnern, die mir 1998 auf einem Flug von Addis Abbeba nach Karachi passiert ist. Nur waren es damals pakistanische Taxifahrer, die in Dhubai zugestiegen waren.
Zur Strafe nimmt mir ein Kapitän den Stuhl weg und stellt ihn in sein Büro. Ein Tunesier, der auf dem Boden liegt, kommentiert das mit: La Forza Italia!
Und dann mache ich noch dieses Foto:
Das bekommt eine Offizielle hinter mir am Schalter mit und ruft gleich alle anderen Kapitäne herbei. Sie verlangt von mir, dass ich alle Fotos sofort von der Kamera lösche. Das seie alles verboten und da wären ja auch überall Schilder. Wo die denn wären, frage ich. Na überall. Sie wolle sich davon überzeugen und mir dabei zusehen, dass ich sie auch alle lösche. Ich versuche noch einzuwenden, dass doch alle hier non-stop Fotos mit ihren Handys machen und wo denn da der Unterschied zu meiner Kamera sei. Da droht sie mir mit der Security und der Polizei, die mich festnehmen würde. Ok, denke ich mir, du blöde Wanze, sollst deinen dummen Willen haben und zeige ihr, wie ich alle Fotos lösche, die ich später mit wenig Aufwand wieder hergestellt habe. Ich denke mal, den Grimaldis ist der Zustand an Bord einfach zu peinlich und dass ich das fotografiert habe. Keiner hat einen ordentlichen Sitzplatz, die zwei Toiletten sind schon lange übergelaufen, so dass die Leute einfach auf den Boden davor pinkeln, Frauen wohl auch, denn aus deren Klo stinkt es genauso heftig. Bald stinkt es auch auf den Gängen. Essen gibt es keins, außer Zigarettenstangen und Kaffee. Die Hälfte der Passagiere hat mindestens einmal gekotzt und keiner macht's sauber. Putzleute gibt es nicht und die Crew hängt draußen an der Reling und raucht oder macht Jagt auf Touristen auf dem Parkdeck.










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