Alles fließt (hin und her)
In El Granado habe ich noch einmal günstig vollgetankt und bin bei Pomarão über die Grenze nach Portugal gefahren.
Hier eine alte Eisenbahnbrücke.
Da fließt der Guadiana hin und her.
Meine Begeisterung über das Tal des Guadiana wächst weiter. Der Fluss fließt sehr langsam und hat mich bereits mehrmals in die Irre geführt. Ich war mir doch sicher, dass ich ihn bisher nie überquert hatte, und er floss auch immer schön in eine Richtung. Dann aber plötzlich in die andere. War ich denn ohne es zu bemerken auf die andere Seite gefahren? Rechts-Links Schwäche entwickelt? Oder liegt es am Ende daran, dass ich (mal wieder) mit dem Rauchen aufgehört habe? Wikipedia klärt mich endlich auf und ich lerne, dass dieser Fluss den Gezeiten unterliegt. Offenbar liegt das an seiner Länge und dem geringen Höhenunterschied von der Quelle bis zur Mündung. Diesen Umstand nutzten bereits die Phönizier und, tja wer wohl? Die Römer! Überall wo ich lang fahre waren die schon und haben irgendwas gebaut oder kaputt gemacht. Man hat den Fluss also schon seit vielen Tausend Jahren bis nach Mertola beschifft, um von dort Gold, Silber und Kupfer abzuholen. Flussaufwärts hat man sich mit dem Gezeitenstrom einfach bergauf mitnehmen lassen, dann irgendwann geankert, als es nicht mehr weiterging, um dann auf die nächste Gezeitenwelle zu warten. Wenn's grad passte vielleicht auch mal ein Segel rausgehängt. So machen das die vielen Segelboote heute noch, die man entlang des Flusses sieht.
Dann kommt Mértola, ein Städtchen mit ganz besonderem Charme und beeindruckender 5000-jähriger Geschichte.
Ich habe keine Lust, Wikipedia abzuschreiben, hier der Link zum Selberlesen.
Was bin ich froh, dass ich langsam wieder Luft zum Japsen habe. Sonst hätte ich dies Städtchen nicht geschafft. Hier Fotos:
Mein Ausblick am Morgen auf den Fluss. Der fließt gerade in irgendeine Richtung.
Und dieses verliebte Pärchen frühstückt auf der gegenüberliegenden Seite.
Jetzt haben sie einen Frosch im Hals und können deswegen grad nicht klappern. Oder sie kennen sich schon sehr lange.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass ich unendlich froh bin, rutschfeste Schuhe zu haben. Habe ich das bereits einmal erwähnt? Egal, dann also noch mal. Hallo Carsten! Danke! Der schlüpfrige Weg führt mich am Ufer unterhalb der Stadtmauer entlang zu diesen Gebilden dort, die bis ans Wasser gebaut sind. Das waren die Römer. Weil der Fluss oft und regelmäßig Hochwasser führt, haben sie sich mit dieser Halbbrücke ständigen Zugang zum Wasser ermöglicht, um Schiffe zu laden oder zu entladen. Clever. Dann noch eine Kette zum anderen Ufer, comme d'habitude, so dass alle anderen da erst mal hängen bleiben und man die filzen kann.
Und dann auch so super stark gebaut, dass die Teile seit 2000 Jahren noch ziemlich gut in Schuss sind, trotz der folgenden Hochwasser.
Die These, dass es sich hierbei um ein Wasserhebewerk aus maurischer Zeit gehandelt habe, wird in Mértola in Zweifel gezogen. Hier sagt jeder: Die Römer waren's. Ich auch.
Jetzt weiter zur Burg.
Der Schandpfahl steht gleich im Hausflur, so dass der Besuch gleich erst mal den hier angeleinten Delinquenten martern darf.
Diese Moschee aus dem 11ten Jahrhundert ist die einzige Mesquita, die in Portugal vollständig erhalten blieb. Im Jahre 1238 wurde sie von den Jakobsrittern, die sich bei der Reconquista ein bisschen was nebenher verdienen wollten, in eine Kirche verwandelt. Und weil sie so gründlich bei den Mauren aufgeräumt hatten, bekamen sie von Sancho dem 2. die ganze Stadt gleich geschenkt. Somit wurde Mértola also lange Zeit Hauptsitz des Santiagoordens. Um den Schutz der Pilger auf dem Jakobsweg haben die sich übrigens einen Dreck gekümmert.
Als die Araber und Berber unter der Herrschaft der Umayyaden im Jahre 714 Mertola erobert hatten, wurde diese Moschee erbaut. Als diese Mauren im Jahre 1238 besiegt (getötet) wurden, also zur Reconquista, wie das ja auch genannt wird, bekamen die Jakobsritter die Moschee von ihrem Mönchskönig Sancho dem 2. geschenkt. Diese Ritter nannten sie dann einfach "Ingreja de Nossa Senhora da Assuncao", (Kirche unserer Herrin der Verkündigung).
Baulich wurde nichts verändert, was dieses Gebäude ja so interessant macht. Es wurde lediglich ein Altar vor die Mihrāb gestellt. Diese Mihrāb, oder Gebetsnische, die immer nach Mekka zeigt und in der ein Imam zur Gemeinde wie aus einem Schalltrichter spricht, ist heute immer noch hinter dem Altar zu sehen. Der Altar ist somit quer zur Säulenhalle angeordnet, was für christliche Kirchen untypisch ist.
Damit als diese Kirche die einzige Mesquita in Portugal, die vollständig erhalten blieb.
Der Blick von den Burgzinnen ins Flusstal.
Hier über die vorgelagerte Nekropole der Burg.
Und morgen schaue ich mir die Minen von São Domingo an, wo die Römer ihr Gold und vor allem Kupfer abgebaut hatten, um ihre Kriegszüge in meine Heimat zu finanzieren und ihre Kurzschwerter zum Abmurksen der Gallier und Germanen zu schmieden.
Hier eine alte Eisenbahnbrücke.
Da fließt der Guadiana hin und her.
Meine Begeisterung über das Tal des Guadiana wächst weiter. Der Fluss fließt sehr langsam und hat mich bereits mehrmals in die Irre geführt. Ich war mir doch sicher, dass ich ihn bisher nie überquert hatte, und er floss auch immer schön in eine Richtung. Dann aber plötzlich in die andere. War ich denn ohne es zu bemerken auf die andere Seite gefahren? Rechts-Links Schwäche entwickelt? Oder liegt es am Ende daran, dass ich (mal wieder) mit dem Rauchen aufgehört habe? Wikipedia klärt mich endlich auf und ich lerne, dass dieser Fluss den Gezeiten unterliegt. Offenbar liegt das an seiner Länge und dem geringen Höhenunterschied von der Quelle bis zur Mündung. Diesen Umstand nutzten bereits die Phönizier und, tja wer wohl? Die Römer! Überall wo ich lang fahre waren die schon und haben irgendwas gebaut oder kaputt gemacht. Man hat den Fluss also schon seit vielen Tausend Jahren bis nach Mertola beschifft, um von dort Gold, Silber und Kupfer abzuholen. Flussaufwärts hat man sich mit dem Gezeitenstrom einfach bergauf mitnehmen lassen, dann irgendwann geankert, als es nicht mehr weiterging, um dann auf die nächste Gezeitenwelle zu warten. Wenn's grad passte vielleicht auch mal ein Segel rausgehängt. So machen das die vielen Segelboote heute noch, die man entlang des Flusses sieht.
Dann kommt Mértola, ein Städtchen mit ganz besonderem Charme und beeindruckender 5000-jähriger Geschichte.
Ich habe keine Lust, Wikipedia abzuschreiben, hier der Link zum Selberlesen.
Was bin ich froh, dass ich langsam wieder Luft zum Japsen habe. Sonst hätte ich dies Städtchen nicht geschafft. Hier Fotos:
Mein Ausblick am Morgen auf den Fluss. Der fließt gerade in irgendeine Richtung.
Und dieses verliebte Pärchen frühstückt auf der gegenüberliegenden Seite.
Jetzt haben sie einen Frosch im Hals und können deswegen grad nicht klappern. Oder sie kennen sich schon sehr lange.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass ich unendlich froh bin, rutschfeste Schuhe zu haben. Habe ich das bereits einmal erwähnt? Egal, dann also noch mal. Hallo Carsten! Danke! Der schlüpfrige Weg führt mich am Ufer unterhalb der Stadtmauer entlang zu diesen Gebilden dort, die bis ans Wasser gebaut sind. Das waren die Römer. Weil der Fluss oft und regelmäßig Hochwasser führt, haben sie sich mit dieser Halbbrücke ständigen Zugang zum Wasser ermöglicht, um Schiffe zu laden oder zu entladen. Clever. Dann noch eine Kette zum anderen Ufer, comme d'habitude, so dass alle anderen da erst mal hängen bleiben und man die filzen kann.
Und dann auch so super stark gebaut, dass die Teile seit 2000 Jahren noch ziemlich gut in Schuss sind, trotz der folgenden Hochwasser.
Die These, dass es sich hierbei um ein Wasserhebewerk aus maurischer Zeit gehandelt habe, wird in Mértola in Zweifel gezogen. Hier sagt jeder: Die Römer waren's. Ich auch.
Jetzt weiter zur Burg.
Der Schandpfahl steht gleich im Hausflur, so dass der Besuch gleich erst mal den hier angeleinten Delinquenten martern darf.
Diese Moschee aus dem 11ten Jahrhundert ist die einzige Mesquita, die in Portugal vollständig erhalten blieb. Im Jahre 1238 wurde sie von den Jakobsrittern, die sich bei der Reconquista ein bisschen was nebenher verdienen wollten, in eine Kirche verwandelt. Und weil sie so gründlich bei den Mauren aufgeräumt hatten, bekamen sie von Sancho dem 2. die ganze Stadt gleich geschenkt. Somit wurde Mértola also lange Zeit Hauptsitz des Santiagoordens. Um den Schutz der Pilger auf dem Jakobsweg haben die sich übrigens einen Dreck gekümmert.
Als die Araber und Berber unter der Herrschaft der Umayyaden im Jahre 714 Mertola erobert hatten, wurde diese Moschee erbaut. Als diese Mauren im Jahre 1238 besiegt (getötet) wurden, also zur Reconquista, wie das ja auch genannt wird, bekamen die Jakobsritter die Moschee von ihrem Mönchskönig Sancho dem 2. geschenkt. Diese Ritter nannten sie dann einfach "Ingreja de Nossa Senhora da Assuncao", (Kirche unserer Herrin der Verkündigung).
Baulich wurde nichts verändert, was dieses Gebäude ja so interessant macht. Es wurde lediglich ein Altar vor die Mihrāb gestellt. Diese Mihrāb, oder Gebetsnische, die immer nach Mekka zeigt und in der ein Imam zur Gemeinde wie aus einem Schalltrichter spricht, ist heute immer noch hinter dem Altar zu sehen. Der Altar ist somit quer zur Säulenhalle angeordnet, was für christliche Kirchen untypisch ist.
Damit als diese Kirche die einzige Mesquita in Portugal, die vollständig erhalten blieb.
Der Blick von den Burgzinnen ins Flusstal.
Hier über die vorgelagerte Nekropole der Burg.
Und morgen schaue ich mir die Minen von São Domingo an, wo die Römer ihr Gold und vor allem Kupfer abgebaut hatten, um ihre Kriegszüge in meine Heimat zu finanzieren und ihre Kurzschwerter zum Abmurksen der Gallier und Germanen zu schmieden.
















Du und deine rutschfesten Schuhe! :D
AntwortenLöschenGibt es in der Kirche bestimmte Wiedererkennungsmerkmale welches darauf hinweisen, dass es mal eine Moschee war für die christlichen Bürger?
Eine Moschee für christliche Bürger gibt es auf dieser Welt wohl nicht.
AntwortenLöschenIch habe oben mal noch ein weiteres Foto eingefügt und mehr Text, der deine Frage beantwortet.