Noch mehr Erzengel, Burgen und weitere Höhlen

Noch einmal: Auf mich ist Strand einfach langweilig. Hinzu kommen Müll und hohe Preise. Die vielen Touristen sitzen um diese Zeit zwar schon wieder an ihren Kaminöfen, haben dafür aber viel Dreck und hohe Preise zurück gelassen. Ich bin vom Strand also in die Ortschaft Lesina gefahren und habe mich direkt an den schönen Boulevard gestellt. Leider zunächst an eine blöde Stelle im Wendehammer. Offenbar gehört es sich für die Lisenianer, abends und bis spät in der Nacht mit ihren Autos einmal den Boulevard hinunter zu fahren, im Wendehammer (direkt vor meiner Nase) zu drehen und langsam wieder zurück nach Hause zu fahren. Laute Musik inklusive, wenn's einer schafft auch mit quietschenden Reifen.



Das war nervig, also habe ich mich ans allerletzte Ende der Straße gestellt. Da war es zwar auch laut, aber nur von den Grillen im Schilf.



Mein Blick auf Lisena um Mitternacht:


Am folgenden Morgen habe ich die Richtung zum Michaelsberg auf dem Gargano eingeschlagen. Irgendwie hat mich das Navi dann auf eine klitzekleine Straße geführt, offenbar, um mir diese Anlage aus den glorreichen Tagen der Republica hier zu zeigen:




Ganz dort in der Nähe eine Grotta di St. Michele. Wer hätte das gedacht. 




Ein Grottenwächter saß bereits darinnen, um mir die unglaublichsten Geschichten vom Papst zu erzählen. Ich habe nichts davon behalten, bis auf diese Fotos hier, die ich immer auf Anweisung des Wärters machen musste, wenn er auf eines der wundersamen Gebilde hinwies, die durch die Kraft des Wassers und des Heiligen St. Michael in der Grotte entstanden sind. Der nette Mann hatte bereits praktische Pfeile angebracht, damit ich es leichter hatte. Ich hätte diese Wunder sonst glatt übersehen.
Hier zum Beispiel die Jungfrau Maria, die just in dem Augenblick ganz plötzlich entstanden ist, als der Papst davor stand:

Oder hier ein Selfie des Hl. Sankt Michael in Grün. Einigermaßen gelungen, finde ich:


Jemand hatte das zu früherer Zeit und zur Verdeutlichung noch mal daneben in den Stein geritzt:

Auch andere Besucher waren da, die ihre Unterschrift und ihren religiösen Fußabdruck hinterlassen wollten:


Dann gab es da auch noch eine Quelle der Sta. Lucia im hinteren Teil der Grotte. Das Wasser soll angeblich gut für die Augen sein. Wir kennen das bereits von der Augenquelle im Paderquellgebiet. Ich habe mich natürlich gleich bedient, meine Brille abgesetzt und musste sie dann auch nicht mehr aufsetzten, so gut war das. Dem netten Grottisten hat's aber nicht so gut geholfen, der hatte nämlich ganz dicke Brillengläser, mindesten +8.


Jetzt sollte es endlich aber zur Mother of all Grottas gehen, des eigentlichen und wichtigsten aller Mysterienstätten des Erzengels und Hauptgrund für meinen Abstecher über den Gargano.
Die Fahrt dorthin durch den sehr schönen Nationalpark des Gargano war kurvig und extrem spannend. Auf winzigen Sträßchen hat man neben der wunderschönen Aussicht auf den Golf eigentlich nur ständig Angst, dass hier jemand entgegen kommen könnte. Und kommt einer, dann ist es auch gleich ein Sattelschlepper. Fotos fehlen, weil Aufregung und Spannung es nicht zuließen. Wie machen die das bloß?

Und dann endlich Monte Sant Angelo. Hier der Eingang zur Grotte:


Der Niedergang:


Und die Grotte selbst, in der gerade ein Gottesdienst stattfand:


Hier traf ich auch den bekannten Eremiten:


Und dann auch meinen Lieblingsheiligen St. Rochus. Den mag ich besonders, weil der einen Hund hat, der ihm eine böse Wunde heile geleckt hat. Sonst wäre er daran gestorben und sein ganzes Heiligenleben und er selbst wären für immer unbemerkt geblieben. Also eigentlich ist der Hund der Held.


Eine Nacht bei den großen Brüdern der Straße war ganz erquickend, dank mehrererer Gläschen Vino Bianco, die ich am Rande des Busparkplatzes im Gespräch mit den Busfahrern einnahm. Also die tranken nur Espresso, weil sie ja die Massen der Grottenbesucher wieder heil ins Hotel bringen mussten.


Hier sonnt sich die hübsche Kellnerin noch in Unkenntnis meiner Ankunft:


Auf nach Matera, wegen der dortigen Höhlen, was sonst.
Auf dem Weg dorthin eine kurze Mittagspause am Castel del Monte, dem Jagdschlösschen meines Lieblingskreuzfahrers, Friedrich dem 2.


Näher ran:


Hier ein nach mittäglicher Blick auf die berühmte Künstlerstadt Matera:



Und seine Höhlen in der Gegend drum herum:


Diese hier wäre schon passend für mich, hat nur einen Nachteil: Sie hat keine Räder:


Am darauf folgenden Tag ging es dann weiter südlich bis ins Val d'Agri und dort bis ins kleine Bergdorf Moliterno, wo ich dies hier augenblicklich verfasse.


In Italien mag ich besonders die Berggegenden, ich erwähnte es bereits. Was mir dort in den kleinen Dörfern besonders auf dieser Reise gefällt, sind die vielen kostenlosen Stellplätze für Camper direkt am Stadtdrand oder mitten darin. Diese Plätze sind stets bestens ausgestattet mit Servicestationen für Ver- und Entsorgung, sehr gutem Trinkwasser und Gelegenheit zur Handwäsche. Dieser hier wurde aus EU-Mitteln finanziert.
Ein netter Herr hat mich abends auf die lokale Bergminze aufmerksam gemacht, die jetzt hier blüht und ganz hervorragend zu Nudeln mit Tomatensoße schmeckt. Also gleich welche gesucht und probiert. Lecker!






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